Feb 172016
 

Requiem-Werkstattgespräche 2016

Zeit: Donnerstag, 28. April 2016, 18.00 Uhr s.t.

 

Prof. Dr. Arne Karsten (Wuppertal)

 

Bilder der Bewegung.

Kolberg 1807 und 1945, oder: Märchensehnsucht und Maschinenglaube im nationalsozialistischen Propagandafilm

Als Instrument zur Prägung des kulturellen Gedächtnisses steht das Grabmal paradigmatisch für die vormoderne Ständegesellschaft: statisch, familienbezogen, exklusiv. In mancherlei Hinsicht übernimmt in der Moderne der Film die Aufgabe, in den Köpfen jene handlungsleitenden Vergangenheitskonstruktionen zu etablieren, die ein zentrales Element gesellschaftlicher Kohäsion darstellen, und zwar: dynamisch, kollektiv, egalitär. Am Beispiel des unter der Regie von Veit Harlan in der Endphase des NS-Regimes gedrehten Propagandafilms “Kolberg” soll gezeigt werden, woher die Inszenierung eines historischen Ereignisses im Medium des Films ihre propagandistisch wirksame Suggestivkraft bezog. Dabei wird es darum gehen, eine spezifisch deutsche Vorstellung der Moderne zu rekonstruieren, in der sich die technikbegeisterte Visualisierung der modernen Massengesellschaft in eigentümlicher Weise mit dem Rückgriff auf religiöse und historische Mythenbilder verbindet.

 

Ort: Institut für Kunst- und Bildgeschichte,Georgenstr. 47, 10117 Berlin, R. 3.30